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Nordstarter Hamburg: Rückblick auf das 1. Jahr regionales Crowdfunding

Nordstarter Hamburg: Rückblick auf das 1. Jahr regionales Crowdfunding

Ron ty
03.11.2012
4 min Lesezeit

Vor genau einem Jahr rief die Hamburg Kreativ Gesellschaft ihre stadteigene Crowdfunding-Plattform Nordstarter in Kooperation mit Startnext ins Leben und damit die erste regionale Crowdfunding-Plattform. Seither verhilft Nordstarter als Finanzierungs- und Vermarktungsinstrument den Kultur- und Kreativschaffenden der Hansestadt ihre Projektideen aus den Schubladen zu holen und in die Tat umzusetzen. Sina Greinert, Koordinatorin bei Nordstarter, resümiert mit uns, ob das Experiment regionales Crowdfunding bisher auch erfolgreich war.

Nordstarter ist nun ein Jahr online. Wie hat sich die Plattform seither entwickelt?

Nordstarter krabbelt nicht mehr, sondern hat angefangen zu laufen. Die Anzahl der Projekte hat über die letzten Monate deutlich zugenommen. Im letzten Jahr sind insgesamt 45 Projekte in die Finanzierungsphase eingetreten, mit einer Erfolgsquote von 50%. Im nationalen Vergleich aller Crowdfunding-Plattformen liegen wir somit sogar deutlich über dem Durchschnitt von 41% im ersten Halbjahr 2012*, was sicherlich mit den guten Möglichkeiten der Vorort-Beratung zusammenhängt. Dabei sind mehr als 80.000 Euro in kreative Hamburger Projekte geflossen. Es sieht ganz danach aus, dass es im zweiten Jahr mehr wird.

Nordstarter wurde vorrangig zur Förderung der Hamburger Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen. Gibt es schon erste Erfolge zu berichten?

Es ist schön zu sehen, dass Projekte, die keine andere finanzielle Unterstützung erhalten hatten, über Nordstarter ermöglicht wurden. Das ist in jedem Fall ein Erfolg. Die drei Filmemacher des Animationsfilms „Reverie“ konnten sich z.B. nicht um Filmförderung bewerben, weil sie noch studieren. Auf Nordstarter haben sie es geschafft 184% der angepeilten Summe einzuwerben. Doch mal ganz abgesehen vom Geld hat Nordstarter die Sichtbarkeit der Kreativwirtschaft in Hamburg erhöht. Durch die Medienberichterstattung über Nordstarter ist nicht nur Crowdfunding bekannter geworden, sondern kreative Hamburger Projekte haben öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.

Erzähl uns doch ein bisschen mehr über den Crowdfunding Club. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Wir veranstalten den Crowdfunding-Club monatlich an unterschiedlichen Orten in Hamburg. Öfter im betahaus, manchmal in der goodschool oder auch im Büro der Kreativ Gesellschaft. Der Club besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil sprechen wir über den Ablauf und die Erfolgsfaktoren einer Crowdfunding-Kampagne. Im zweiten Teil des Crowdfunding-Clubs stellen sich erfolgreiche und aktuelle Nordstarter-Projekte vor. An konkreten Beispielen analysieren wir die Faktoren, die eine Kampagne erfolgreich machen oder eben nicht. Was hat gut funktioniert und was hat nicht gut funktioniert? Welche Gegenleistungen könnte man zusätzlich anbieten? Anhand realer Beispiele versteht man die Dynamik von Crowdfunding am besten und im Dialog mit anderen Startern kommt die eine oder andere Idee. Der Crowdfunding-Club ist ein Beispiel dafür, warum regionale Crowdfunding-Plattformen sinnvoll sind. Alle Beteiligten haben die Möglichkeit sich persönlich kennenzulernen und diese Vernetzung bringt die Projekte nach vorn.

Gibt es denn aus deiner Sicht auch noch unausgeschöpfte Potenziale?

Wir würden uns freuen, wenn Hamburger Unternehmen das Potenzial von Crowdfunding als Möglichkeit des Social Media Marketings sehen und im Sinne von Corporate Cultural Responsibility (CCR) für sich nutzen würden. Wenn Unternehmen ein Projekt über Nordstarter unterstützen oder gar einen Wettbewerb sponsern würden, verspricht ihnen das viel Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. Die GLS-Bank und das Portal Kulturschenken haben es vorgemacht, noch zu wenige machen es nach.

Wagen wir doch einmal einen Blick in die Zukunft. Was steht bei Nordstarter auf der Agenda 2013?

Gerade startet das Projekt „Hamburg richtet sich ein – von der Skizze über die Crowd zum Hamburger Möbel“, mit dem wir junges Design aus Hamburg stärken möchten. Bei dem Projekt findet die gesamte Wertschöpfungskette in Hamburg statt. Die Möbel werden im Rahmen eines Seminars von Studierenden der HafenCity Universität entworfen und auf Nordstarter präsentiert. Bei erfolgreichem Crowdfunding werden die Entwürfe dann von regionalen Handwerksbetrieben aus dem Netzwerk „Hamburger Möbel“ produziert und die daraus entstehenden Designprodukte dann im stilwerk ausgestellt und verkauft. Auch wenn das Projekt in diesem Jahr startet, werden wir es mit ins nächste Jahr nehmen.

Und nun Butter bei die Fische: Trägt Crowdfunding zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft bei?

Definitiv! Crowdfunding ist ein gutes Instrument der Kreativwirtschaftsförderung, weil es von den Akteuren auf unterschiedliche Weisen genutzt werden kann – zur Auftragsvorfinanzierung, als Ticketing-System oder als Marktforschungsinstrument. Crowdfunding ist vielseitig, genau wie die Kreativwirtschaft.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Nordstarter.

*Quelle: fuer-gruender.de/crowdfunding (Stand: 30.09.2012).

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