Mutige gestalten die Zukunft
Sciencestarter feiert Geburtstag

Sciencestarter feiert Geburtstag

21.11.2013
5 min Lesezeit

Sciencestarter wird heute ein Jahr alt, und damit auch Crowdfunding für die Wissenschaft in Deutschland. Zeit für ein kleines Résumé, einen Blick über den Tellerrand…und einen Ausblick auf das nächste Jahr.

Wie alles begann

Am 21.11.2012 ging mit Sciencestarter die erste deutschsprachige Crowdfunding-Plattform für Projekte aus Wissenschaft, Forschung und Wissenschaftskommunikation online. Unterstützt wurden wir (Wissenschaft im Dialog) dabei maßgeblich vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Mit der Plattform verbanden wir vor allem das Ziel, ein neues Format der Wissenschaftskommunikation in Deutschland zu etablieren: Die Plattform bietet (nicht nur) Wissenschaftlern eine neue Möglichkeit, sich und ihr Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren, in einen echten Dialog auf Augenhöhe zu treten und darüber hinaus Geld für die eigene Forschung zu sammeln. 
Crowdfunding eröffnet viele Möglichkeiten und Chancen, und nicht nur das Feedback und Medienecho, das wir zu Sciencestarter bekommen, bestärkt uns in unserer Motivation. 

Zeit für ein paar Statistiken, die beeindrucken: Im ersten Jahr wurden insgesamt

  • 27 Projekte auf Sciencestarter freigeschaltet. Davon wurden
  • 11 erfolgreich finanziert, 7 sind noch aktiv. Das heißt 
  • 55% aller Projekte auf Sciencestarter sind erfolgreich. Durch insgesamt
  • 846 Bezahlvorgänge auf der Plattform wurden
  • 60.849,95 € eingesammelt und 
  • 52.713 € an die Projekte ausgezahlt. Die restlichen Gelder wurden an die Supporter zurückgezahlt, weil die unterstützten Projekte die benötigte Summe nicht erreichten. Das bedeutet, die eingesammelte Summe pro Projekt liegt im Durchschnitt bei 
  • 4.792 €. Die Anzahl der Supporter lag bei den erfolgreichen Projekten im Schnitt bei
  • 87, die durchschnittliche Unterstützung bei knapp
  • 75 €. Die erfolgreichen Projekte wurden im Schnitt zu
  • 116% finanziert.

Was diese Zahlen bedeuten wird etwas deutlicher, wenn wir sie mit denen anderer Plattformen in Deutschland vergleichen. Dort lag die Erfolgsquote der Projekte in den ersten 9 Monaten des Jahres 2013 laut Crowd funding 9M 2013 bei

  • 59%, wobei durchschnittlich
  • 4.963 € je Projekt eingeworben wurden. Die Anzahl der Supporter lag bei den erfolgreichen Projekten im Schnitt bei 
  • 83, die durchschnittliche Unterstützung bei 
  • 60 €. Die erfolgreichen Projekte wurden im Schnitt zu
  • 118% finanziert.

Es fällt auf, dass die Statistiken von Sciencestarter nahezu identisch mit denen des „klassischen“ Crowdfundings sind. Dies überrascht mich, da das Crowdfunding im Kreativbereich oder der Produktentwicklung doch wesentlich etablierter ist und dort gerade auch materielle Dankeschöns häufiger vorkommen, was die Motivation ein Projekt zu unterstützen erhöhen dürfte. Auf Sciencestarter sind die Dankeschöns hingegen fast durchwegs immaterieller Natur (mein persönlicher Favorit: die Namenspatenschaft für einen Ameisenbären), dennoch liegt die durchschnittliche Unterstützung auf Sciencestarter ca. 14 € höher als bei anderen Plattformen.

Doch auch zu Microryza, einer amerikanischen Crowdfunding-Plattform eigens für Projekte aus der Wissenschaft, sind starke Gemeinsamkeiten zu erkennen. Microryza launchte ca. ein halbes Jahr vor Sciencestarter. Seitdem wurden über die Plattform 56 Projekte erfolgreich finanziert (Stand Oktober 2013), wodurch insgesamt 239.440 € von etwas über 3.000 Unterstützern eingeworben worden konnten, was eine durchschnittliche Unterstützung von knapp 80 € ergibt. Das durchschnittliche Projektbudget lag mit umgerechnet ca. 4.200 € knapp 600 € unter dem von Sciencestarter-Projekten. Das maximale Budget eines erfolgreichen Projekts auf Microryza lag bei ca. 18.000 € (Sciencestarter: 14.600 €). 

Auch hier sind die Ähnlichkeiten mit Sciencestarter sehr deutlich, obwohl Crowdfunding in den USA sehr viel verbreiteter ist, wie auch das Einwerben privater Gelder durch die Wissenschaft. 

Aus unserer Sicht ist ein Projekt übrigens nicht gescheitert, wenn die benötigte Summe nicht eingeworben werden konnte. Wie zum Beispiel Felix Büsching in seinem Interview mit uns sagte, hat ihm die Kommunikation seines Projektes auf Sciencestarter viel konstruktives Feedback und auch konkrete Kontakte zu Unternehmen gebracht, die ihm für seine weitere Arbeit hilfreich waren. Die Kommunikation seiner Forschung wurde also belohnt, wenn auch nicht auf unmittelbar finanzielle Art. Das freut uns umso mehr, ist doch diese neue Möglichkeit der Kommunikation der eigenen Forschung der Grund für uns, Sciencestarter zu betreiben.

Dass Sciencestarter auch auf Seiten der Wissenschaft Dinge bewegen und zu einem Wandlungsprozess führen kann, macht ein Beispiel einer Sciencestarterin deutlich. Wie sie mir mitteilte, erntete sie zu Beginn ihrer Crowdfunding-Kampagne starken Gegenwind von ihrer Institutsleitung. Sie solle ihre Zeit lieber für ihre Forschung und nicht für solche Spielereien verwenden. Dies begann sich langsam zu ändern, als sie zu ihrem Projekt immer mehr Medienanfragen bekam und nicht nur im Internet und in der Zeitung, sondern auch im Hörfunk und Fernsehen über sie berichtet wurde. Als sie dann letztlich auch noch (sehr) erfolgreich mit ihrem Crowdfunding-Projekt war und das über Sciencestarter eingeworbene Geld an sie ausgezahlt wurde, wollte von der ursprünglich ablehnenden Haltung niemand mehr etwas wissen. Auch innerhalb des Wissenschaftssystems kann Wissenschaftskommunikation also noch so einiges bewegen. 

Wie geht es weiter mit Sciencestarter?

So zufrieden wir mit der Entwicklung von Sciencestarter auch sind, so sind wir dennoch laufend dabei, die Plattform weiter zu entwickeln, sie bekannter zu machen und somit zukünftig mehr Projekte auf Sciencestarter zu haben. Dazu gehören kleinere Anpassungen, wie zum Beispiel aktuell die Verkürzung der Finanzierungsphase auf maximal 2 Monate, aber auch Aktionen wie Wettbewerbe und Kooperationen oder Partnerschaften, die Sciencestarter auf eine breitere Basis stellen. Unser Ziel ist es, Sciencestarter auch zukünftig kostenlos und ohne Gebühren zu betreiben und die Plattform und den Crowdfunding-Ansatz bei unserer Hauptzielgruppe, den Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern, bekannter zu machen, so dass sie es mehr nutzen, ihr eigenes Crowdfunding-Projekt starten und ihre Forschung kommunizieren. Auch das zweite Jahr Sciencestarter verspricht also spannend zu werden, ich freue mich drauf.

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