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So funktioniert Crowdfunding für Musiker: Interview mit der Sängerin Mine
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So funktioniert Crowdfunding für Musiker: Interview mit der Sängerin Mine

Anna Theil
14.04.2016
8 min Lesezeit

Viele Musiker und Bands finanzieren auf Startnext ihre Debütalben und versuchen als Nachwuchsmusiker möglichst viele Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Auch die Musikern Mine hat 2013 während ihres Studiums an der Popakademie Baden-Württemberg ihre erste Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gestartet, um Songs von ihrem ersten Album mit einem Orchester neu zu arrangieren. Ihre Kampagne brachte ihr nicht nur 10.448 Euro von 327 Unterstützern ein, sondern auch viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Zeit, einmal auf die Crowdfunding-Kampagne zurückzublicken und zu erfahren, wie die Idee einer relativ unbekannten Künstlerin mithilfe vieler Unterstützer Realität wurde.

Mines Traum - ein Konzert in echter Orchesterbesetzung 

12 Streicher, 5 Blechbläser, 14 Sänger, ein Vibrafonist, 2 Schlagzeuger, ein Pianist, ein Gitarrist, eine Bassistin, ein Sounddesigner, der Rapper Curlyman, Die Schlagzeugmafia, dazu ein Lichtkünstler, ein Filmteam und ein Tonteam - ein Konzert mit Orchesterbesetzung war Mines großer Traum. Dieses einmalige Ereignis sollte darüber hinaus für eine Live-DVD festgehalten werden. Zusammen mit ihren Managerinnen von Pennywine Entertainment startete Mine ihre Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, um diesen Traum zu verwirklichen.

Nach der erfolgreichen Finanzierung ging es steil bergauf: Mine bekam 2013 eine Nominierung als Bester Newcomer bei den VUT Indie Awards, tourte mit vielen etablierten Künstlern wie Samy Deluxe und wurde in der Musik-Sendung Startrampe oder TV Noir eingeladen. Im April 2016 erscheint nun ihr zweites Album. 

Lest im Interview mit Mines Managerin Sophie Mathes, was die Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der Crowdfunding-Kampagne waren und welche Tipps sie euch für euer Musikprojekt geben kann:

Wie seid ihr zum Crowdfunding gekommen?

Als wir das Projekt geplant haben, studierten wir noch und hatten gerade erst begonnen, mit Mine zusammen zu arbeiten. Sie hatte ihre erste EP veröffentlicht, die als CD auf den Konzerten verkauft wurde, und ein paar Auftritte gehabt. Ihre Fanbase war dementsprechend noch ziemlich klein – auf Facebook hatte sie nicht mehr als 600 Likes. Mine, die sonst in Bars und kleinen Clubs spielte, hatte Anfang 2013 diese große Idee, ihre Songs umzuarrangieren, um diese dann mit einem Orchester vorzutragen.
Tolle Idee, aber wie sollte man das Geld für so ein ambitioniertes Projekt aufbringen?

Durch unsere Studiengänge an der Popakademie Baden-Württemberg (Musikbusiness im Fall von Lea und mir, bei Mine ein Producing-Studiengang) haben wir uns schon früh mit dem Thema "neue Finanzierungsmöglichkeiten für Musikproduktionen" beschäftigt. Mine kam dann auf die Idee, die technische Ausstattung für das Konzert und die DVD-Produktion crowdfunden zu lassen. Die Musiker konnten wir dafür gewinnen, unentgeltlich an dem Projekt teilzunehmen.

Über welche Kanäle habt ihr die Crowd erreicht?

Wir waren komplett crossmedial unterwegs – und das hat auch eine wahnsinnige Arbeit bedeutet. Wir tuckerten mit Mine durchs Regionalfernsehen, waren bei verschiedenen Radiosendern und konnten mit unserer Vorhaben viele Blogger und Printjournalisten begeistern. Dadurch, dass die Idee für eine relativ unbekannte Künstlerin recht abgefahren war, hatten wir hier einfach eine gute Geschichte zu bieten, die sich vielseitig medial verwerten ließ. Zudem haben wir jede Menge eigenen Content erstellt, der a) sehr gut für Medienpartner verwertbar war und b) der Crowd Lust machen sollte, zum Konzert zu kommen und es dafür im Vorfeld mitzufunden.Wir drehten auf eigene Faust verschiedene Flashmob-Videos, bei denen Mine mit Teilen des Orchesters (mal mit Bläsern, mal mit Streichern usw.) auf verschiedenen öffentlichen Plätzen mit kleiner Besetzung Songs in Orchesterversion spielt; z.B. in der S-Bahn, in einer Einkaufspassage oder auf großen öffentlichen Plätzen. Diese Videos haben wir dann auf unsere Projektseite bei Startnext gesetzt, bei Youtube veröffentlicht und natürlich auch über Social Media geteilt, vor allem über Facebook. Wir bekamen zudem tolle Unterstützung durch befreundete Musiker. Sie drehten ebenfalls kleine Werbevideos für uns, mit denen sie ihre Fans auf unsere Kampagne hingewiesen haben.

Eine wesentliche Hilfe war, dass Mine während des dreimonatigen Fundingzeitraums auf Tour war. Wir legten dort jeweils Visitenkärtchen mit einem Link zur Startnextseite aus, in der Location und am Merchandisestand. Mine wies während des Konzertes auf ihr Vorhaben hin und überreichte am Schluss persönlich die Kärtchen an die Konzertbesucher. Wir profitierten also von einer guten Mischung aus Online- und Offline-Aktionen. Ohne diesen Mix wäre es schwierig geworden, so ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Wie ist die Crowdfunding-Kampagne verlaufen?

Gemessen an der Startposition: großartig. Wobei man sagen muss, dass es relativ schwierig ist und viel Einsatz erfordert, die Kampagne in Schwung zu halten. Die ersten 3.000 der angepeilten rund 9.500 Euro waren relativ schnell drin; danach vermehrte sich die Summe aber nur relativ langsam und mit kleinen Beträgen. In den letzten zwei bis drei Wochen, vor allem aber in der letzten Woche, bekam das Ganze nochmal einen eigenen Drive, so dass wir letztendlich sogar mit über 10.000 Euro aus der Kampagne gingen.

Welche Erfahrung hat euch am meisten überrascht?

Um ehrlich zu sein, waren meine Kollegin Lea und ich am Anfang relativ skeptisch. Wir zweifelten nicht daran, dass Mines Vorhaben absolut großartig würde, aber wir konnten uns einfach nicht vorstellen, dass ein Projekt mit einer so kleinen Fanbase innerhalb von drei Monaten eine solche Summe von Unterstützern zusammenbekommen könnte. Crowdfunding steckte Anfang 2013 noch in den Kinderschuhen, wir hatten deshalb relativ wenig Erfahrungswerte, um abzuschätzen, wie das Ganze ausgehen würde. Letztendlich hat sich Mines Fanbase während der drei Monate um ein Vielfaches vermehrt – das Konzert im Mannheimer Capitol war restlos ausverkauft, und die Fans sind uns sowohl real als auch in den Social Media Kanälen bis heute erhalten geblieben.

Was ist für euch das Besondere am Crowdfunding?

Die Möglichkeit, Ideen, Projekte und Wünsche umzusetzen, die früher schlicht am Geld gescheitert wären. Man muss nicht unbedingt versuchen, Großinvestoren zu gewinnen, sondern kann direkt Leute ansprechen, die deine Idee gut finden und dich darum mit ihren privaten Mitteln unterstützen wollen. Das können Leute von überall auf der Welt sein, jeder kann mitmachen. So findet man zugleich neue Wegbegleiter.

Was waren die größten Herausforderungen vor, während und nach der Kampagne?

Im Voraus empfanden wir die Kalkulation als relativ schwierig – wie sieht die steuerliche Abwicklung aus, was müssen wir für die Gegenleistungen ausgeben, was geht an Versand/Logistik/Überweisungsgebühren ab? All das mussten wir uns erst einmal zusammenrecherchieren. Als wir die Kampagne Anfang 2013 starteten, war Crowdfunding noch sehr neu, und es gab weniger Vorbilder, um sich etwas davon abzugucken.

Wir konnten nicht wirklich abschätzen, was für ein wahnsinniger Arbeitsaufwand auf uns zukommt. Ich sehe öfter Projekte, zu denen Leute einfach eine Kampagne online stellen und dann glauben, das Geld käme von alleine rein – Pustekuchen. Crowdfunding bedeutet eine ganze Menge harter Arbeit, die bei der Ideenfindung beginnt, dann über Kreationsprozesse, Presse und Promotionarbeit geht und einen wahnsinnigen organisatorischen und kalkulatorischen Aufwand mit sich bringt. Wir haben in den drei Monaten des Kampagnenprozesses eigentlich so gut wie nichts anderes gemacht als für das Projekt zu arbeiten. Neben der Werbung für die Kampagne mussten wir in unserem Fall natürlich noch das komplette Konzert, die DVD Produktion, die Orchesterlogistik etc. planen. Damit man dabei nicht den Überblick verliert, muss man stets einen Projektplan vor sich haben, am besten außerdem einen Kommunikationsplan für die Crowd – und insgesamt möglichst organisiert vorgehen.

Welche Tipps hast du für neue Projektstarter?

Kampagnenstarter sollten sich bewusst sein, dass Crowdfunding extrem viel Planung und Kalkulation bedeutet und sogar zu einer Art "Vollzeitjob" werden kann. Außerdem: Kreativität in der Planung und Umsetzung sind wahnsinnig wichtig. Wenn möglich, sollte man nicht nur auf einfache Online-Berichterstattung setzen, sondern seine Kampagne auch in andere Kommunikationswege einbauen. In unserem Fall war die Ansprache der Fans durch den Künstler während des Konzertes, bei dem das Publikum die Emotionalität der Sache wirklich fühlen und live erleben kann, einer der wirkungsvollsten Wege zu den Unterstützern.

Und man sollte den Unterstützern tolle, aber nicht zu viele Goodies anbieten. Das Ganze sollte übersichtlich bleiben und gleichzeitig genug verschiedene Fördersummen ermöglichen. Wir hatten Goodies von 5 Euro bis 600 Euro dabei, und alle haben sich verkauft. Wir haben Pakete daraus geschnürt und vor allem auch personalisierte Goodies angeboten, die sehr gut angekommen sind. Ein Unterstützer ist wahrscheinlich eher bereit, etwas mehr Geld zu investieren, wenn er dafür etwas Einzigartiges bekommt. Außerdem macht es Sinn, freie Spenden zu ermöglichen. Einige unserer Unterstützer haben einfach so unterstützt, ohne eine spezielle Gegenleistung dafür zu verlangen. Das erspart dem Starter Kosten für die Goodies. Ansonsten – durchhalten, improvisieren & kreativ sein, wenn’s mal nicht so läuft, und vor allem: Immer optimistisch bleiben!

Hier könnt ihr euch einen Song des Konzerts mit Orchester anschauen:Dieses Interview erschien erstmals 2015 in unserem Crowdfunding Handbuch, in dem wir Schritt für Schritt durch die Vorbereitung und Umsetzung einer Crowdfunding-Kampagne führen und erfolgreiche Starter in Fallbeispielen ihre Erfahrung weitergeben.

Für mehr Informationen zu Projekten in der Kategorie Musik schaut auf unserer Musik-Themenpage vorbei und startet euer Musik-Projekt!

© Fotos: Jasmin Stocker

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