Crowdfunding beendet
Mangel- und Unterernährung sind in vielen Teilen Afrikas Alltag. Das wollen wir ändern und gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort ein wassersparendes Hydrokultur-System zum Gemüseanbau in Wüstenregionen entwickeln. Damit könnten sich die Menschen langfristig unabhängig und nachhaltig mit Lebensmitteln versorgen. Mit diesem Forschungsprojekt leisten wir einen wirkungsvollen Betrag zur Bekämpfung von Hunger und Fluchtursachen.
15.640 €
Fundingsumme
242
Unterstütz­er:innen
26.06.2019

Wie alles begann ! Hintergründe zur Entstehung von GreenUp Sahara !

M. Sc. Marc Beckett
M. Sc. Marc Beckett6 min Lesezeit

Hallo zusammen,

Zunächst wollen wir uns bei Allen für eure Unterstützung bedanken. Es ist schon einiges passiert und wir glauben weiter fest daran, dass wir das Ziel erreichen! :) Auch vielen Dank an alle die sich die Mühe gemacht haben den Fragebogen auszufüllen! Euer Feedback hilft uns unsere Arbeit in Zukunft zu verbessern!
Jetzt wollen wir euch aber auch mal ein Feedback geben. Ihr habt uns in den letzten Wochen einige Fragen gestellt und auf die wollen wir euch nun antworten :)

Warum ist Hydrokultur so faszinierend?

Für mich als Wasser-Wissenschaftler ist natürlich besonders spannend wie man Wasser möglichst effizient einsetzen kann. Weltweit werden rund 60-70% des Frischwassers für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt. Das ist in Ländern mit überwiegend trockenem Klima und vielen Menschen, wie im südlichen Afrika und Indien, wo wir auch aktiv sind, besonders problematisch. Hydrokultur ist besonders deswegen spannend, weil es tausend verschiedene Anwendungsfälle für viele gesellschaftlich relevante Fragen gibt. Wie versorgen wir eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrung und anderen nachwachsenden Ressourcen?!
Hydrokultur oder Hydroponik geschieht im geschlossenen System, das heißt Wasser kann wieder aufgefangen, aufbereitet und verwendet werden. Im Vergleich zu konventioneller Bewässerung benötigen hydroponische Systeme nur etwa ein Zehntel des Wassers! Auch die negativen Umwelteinflüsse, z.B. aufs Grundwasser, können besser minimiert werden, da Düngemittel gezielter eingesetzt werden. Hydrokultur kommt auch mit weniger Pestiziden aus, da die Pflanzen sich in kontrollierter Umgebung befinden und weniger Druck von Schädlingen bekommen, die zum Beispiel im Boden leben. Man kann auch unheimlich viele Nahrungsmittel mit Hydrokultur anbauen: Tomaten, Salate, Auberginen, Chilis, Paprika, Gurke uvm.
Und bisherige Erfahrungen zeigen, dass Hydrokultur nicht nur wassereffizienter ist als konventionelle Landwirtschaft, sondern die Pflanzen auch schneller und sogar in geringen Abständen wachsen. Auf Grund all dieser Vorteile, hat sich auch die UN Welternährungsorganisation mit Hydroponik beschäftigt und setzt nun Projekte in Peru, Namibia, Algerien und dem Tschad um.
Aber einer der größten Vorteile von Hydrokultur ist, dass es eine unheimlich große aktive und internationale Community gibt! Diese besteht aus Bastlern, Hobby Hydroponikern, Unternehmern, Wissenschaftler, NGOs und vielen mehr. Da steckt unheimlich viel Wissen in der Community! Und es ist wenn man ehrlich ist, schon ziemlich cool  Mit den vielen Tipps und verschiedenen Varianten kann man zum Beispiel auch zu Hause in seiner balkonlosen Wohnung frisches Gemüse anbauen ;)

Warum liegt dir „GreenUp Sahara“ am Herzen?

Vor 2 Jahren habe ich Taleb und die Kollegen vom World Food Programme kennengelernt. Bei dem Besuch in den Camps war ich total beeindruckt von der Innovation und wie gut sowohl die Ziegen das Futter, als auch die Menschen das System annehmen. Familien produzieren selbstständig Futtermittel für ihre Tiere. Und das mitten in der Wüste! Total genial!! Eine der vielen spannenden Aspekte an Talebs Erfindung ist, dass sie von Innen heraus entstand. Das heißt sie wurde vor Ort von den Leuten entwickelt. GreenUp Sahara liegt mir deshalb so sehr am Herzen, weil es darum geht gemeinsam vor Ort das System weiterzuentwickeln, um mit Tierfutter auch Gemüse anzubauen, das den Menschen vor Ort fehlt. Vor Allem dieser Aspekt, das Lernen von- und miteinander, finde ich klasse. Wenn wir hier erfolgreich sind, dann gibt’s im Grunde keine Grenzen!!! Der Ansatz kann dann überall funktionieren. Das wäre ein echter Beitrag zur Lösung von globalen Herausforderungen.

Taleb und ich tauschen uns regelmäßig aus und mittlerweile ist er ein echter Freund geworden. So sind er und auch das Projekt mir ans Herz gewachsen.


Wie unterscheidet sich Forschung vor Ort in Algerien und an deinem Institut?
Am IGB arbeite ich zu unterschiedlichen Themen im Wassermanagement. Unsere Forschungsprojekte sind oft mit Industrieunternehmen oder Kommunen und hier arbeiten wir daran Wasser und Abwasser effizienter zu reinigen oder entsprechend Wertstoffe und Energie zurückzugewinnen. Meist geht es dabei um High-Tech Anlagen, die wir oft in unseren Laboren und Technika aufbauen und testen können. Ein anderer Teil meiner Arbeit besteht darin Wissen und Technologien auch in anderen Regionen der Welt, wie im südlichen Afrika und in Indien, zugänglich zu machen. Dafür bauen wir die entsprechenden Netzwerke und Partnerschaften auf und arbeiten daran Technologien entsprechend den lokalen Bedarfen anzupassen.
In GreenUp Sahara verbinden sich diese Tätigkeiten, jedoch in einer viel komplizierteren Umgebung. Die Abgeschiedenheit bzw Isolation der Camps macht es sehr schwer entsprechende Materialien zu finden. Man muss mit dem arbeiten was man findet und kann nicht einfach Komponenten bestellen. Dementsprechend ist die Infrastruktur in den Camps auch nicht mit der in deutschen Städten zu vergleichen. Wasser ist extrem knapp und nicht einfach zu bekommen. Ich war sehr beeindruckt, wie die Menschen sich vor Ort organisiert haben. Erschwerend hinzu kommen die lokalen Umweltbedingungen. Temperaturen überschreiten im Sommer tagsüber die 50°C Marke und fallen nachts wieder auf unter 10°C , der Wind weht einem unaufhörlich und gnadenlos Sand und Staub um die Augen und Ohren, was auch die Funktionalität von Anlagen beeinträchtigt.
Bei allen Herausforderungen ist die Arbeit vor Ort auch sehr spannend. Die Menschen sind unfassbar gastfreundlich und engagiert.


Kann Hydrokultur den Hunger stoppen und wie?

Hunger hat viele Facetten und Ursachen. Mangelernährung ist ja ein ganz anderes Problem als Unterernährung. Und es wird immer auch um Fragen nach Verteilung und Verschwendung von Lebensmitteln gehen. Die Weltbevölkerung wächst ja, und mit ihr auch die Ansprüche an Flächen und andere Ressourcen. Die Frage wird sein wie wir das alles in Einklang bringen?!
Hydrokultur kann unheimlich viel. Sie hat aber auch (noch) ihre Grenzen. Nicht alle Pflanzen können in hydroponischen System kultiviert werden. Wenn wir da z.B. an Knollengewächse wie Kartoffeln oder an Obstbäume denken wird es schwierig. Außerdem ist Wissen über Hydrokultur noch nicht so weit verbreitet im Vergleich zu den weltweiten Erfahrungen aus 10.000 Jahren Ackerbau.

Aber ich glaube Hydrokultur kann einen wichtigen Beitrag leisten, vor Allem überall dort wo Gartenbau extrem schwer ist, wie in der Sahara. Oder auch in Städten, dort wird Hydrokultur oft zum Urban Gardening in der Wohnung, auf Dächern an Fassaden und vielen weiteren Stellen genutzt.
In den Niederlanden, zum Beispiel, wird Hydrokultur schon länger kommerziell genutzt. Mittlerweile sind die Niederlande sogar der zweitgrößte Exporteur von Lebensmitteln weltweit. Und das obwohl sie eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf kleiner Landesfläche aufweist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit Hydrokultur ein mächtiges Werkzeug und ein immenses Potenzial haben Hunger zu bekämpfen. Das hat ja auch das UN World Food Programme erkannt. Und deswegen wollen wir gemeinsam einen Beitrag leisten dieses Potenzial zu nutzen.

Weiter geht's !!!
Danke nochmals für eure tatkräftige Unterstützung und eure Fragen!!! Taleb und ich tauschen uns regelmäßig aus und entwickeln Pläne wie wir Ideen umsetzen können. Es ist wahnsinnig spannend auch von seinen Erfahrungen zu lernen. Wenn wir es schaffen hier einen nachhaltigen Beitrag und gemeinsam ein gut akzeptiertes System zum Anbau von Gemüse UND Futtermittel zu entwickeln, dann können wir das in Zukunft auch überall auf der Welt tun. Und mit eurer Hilfe wird das möglich werden :)

Danke euch!

11.07.2019

DANKE!

Alexandra Goßner
Alexandra Goßner1 min Lesezeit
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GreenUp Sahara
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