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Wenn ihr spontan Assoziationen zum Wort „Versicherung“ nennen solltet, denkt ihr vermutlich eher an Aktenordner, Formulare und – richtig – noch mehr Aktenordner. Umweltschutz und soziale Projekte sind meist ungefähr die letzten Dinge, die einem dabei in den Sinn kommen. Und doch ist genau das für unsere Starterin Dr. Marie-Luise Meinhold der Kern, um den es bei Versicherungen gehen sollte und der in ihren Augen einfach nur aus dem Fokus geraten ist. Mit ihrer eigenen ökofairen Versicherung möchte sie das ändern und per Crowdfunding Geld einsammeln, um so richtig durchzustarten!

Marie-Luise möchte die Versicherungs-Branche revolutionieren

„Versicherungen finden viele erstmal eklig – Renditen, Geld, all das. Dennoch glaube ich daran, dass die Versicherungswelt eben nicht so böse ist, wie alle immer denken. Ursprünglich wurde dieses Konzept ja für die Menschen auf die Beine gestellt, nicht gegen sie!“, erzählt sie uns. In ihren Augen sind Versicherungen durch zu große Profitorientierung vom eigentlichen Weg abgekommen, sie vergleicht sie mit Schneewittchen, das einen Bissen des vergifteten Apfels im Rachen hat. „Das Stückchen muss man rausholen, damit es der Prinzessin wieder bessergeht. Genau das möchten wir bei ver.de machen!"

"Versicherungen sind ja eigentlich für die Menschen da!"

Geld ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor, um Dinge zu bewegen. Damit kann man Gutes tun, soziale und ökologische Projekte fördern, Einfluss nehmen. Hier sieht Marie-Luise auch den Hebel, um wirklich Änderungen herbeizuführen – und das möchte sie schon seit ihrer Schulzeit in den 80ern, in denen Umweltthemen sehr aktiv besprochen wurden.

Die Gründerin möchte mit ihrer Versicherung Umweltschutz und Soziales fördern

Vieles an ihrer Sachversicherung ist ungewöhnlich, zum Beispiel die rechtliche Form: Die Versicherung wird als Genossenschaft gegründet. Doch auch der Service den Kunden gegenüber wird anders laufen, als bei traditionellen Unternehmen in der Branche. Wenn euch etwas kaputtgeht, erstattet euch die Versicherung zum Beispiel die Anschaffung eines qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Produktes – auch, wenn das Vorgängerprodukt nicht nachhaltig war. Habt ihr drei Jahre keinen Schaden gemeldet, bekommt ihr Geld zurück. Doch den größten Einfluss werden die finanziellen Investitionen der Versicherungsgesellschaft haben.

„Versicherungen sind immer große Geldanleger – natürlich müssen auch bei uns gesetzliche Vorgaben eingehalten werden“, erläutert sie. Dennoch gibt es einen Spielraum. „Das Geld wird in verschiedene Anlageklassen unterteilt, bei denen es immer nachhaltige und weniger nachhaltige Optionen gibt. Hier möchten wir nach Möglichkeit immer die nachhaltige Variante wählen. Und sollten mehrere dieser „grünen“ Optionen zur Verfügung stehen, darf der Verbraucher hier mitentscheiden, in welche Variante wir das Geld investieren.“

Wieso nicht einfach einen bestehenden Konzern zum Umdenken bewegen?

Bevor Marie-Luise ver.de gründete, arbeitete sie in einem großen Versicherungskonzern. Leider hat sie dort nachhaltige Ideen und soziale Ansätze nicht wirklich durchsetzen können. „Die Ebene, die die Entscheidungen hätte treffen können, sah Ökologie und Soziales immer als Gegensatz zur Ökonomie. Man hat nicht daran geglaubt und sah solche Anstrengungen quasi als Lizenz zum Geldverbrennen an.“

Dennoch ließ sie sich nicht entmutigen und nahm die Dinge selbst in die Hand – so entstand ver.de. Natürlich gründet man nicht eben mal so eine Versicherung. Die gesetzlichen Vorgaben sind streng, doch da sie und ihr Team viel Expertise mit sich bringen, haben sie diese Hürden bewältigen können. Schließlich hat sie fast 20 Jahre in einem großen Versicherungsunternehmen in Führungspositionen gearbeitet und sich auch abseits dessen viel mit der Thematik auseinandergesetzt – sie ist also bestens vorbereitet. Jetzt fehlt nur noch eins: Geld.

Mit Crowdfunding möchte sie ihr Unternehmen zum Erfolg führen

Viele Investoren stecken ihr Geld gerne in vielversprechende Tech-Startups, eine Versicherung hingegen wirkt erst einmal altbacken und wenig „sexy“ – und das ist nicht die einzige Hürde, die Marie-Luise nehmen muss. „Wenn ich allein auf Investoren zugehe und mich dann als Frau und Kopf des Unternehmens selbstbewusst vor ihnen positioniere, ist das schon einmal die erste Irritation“, lacht sie.

"Ökologie und Nachhaltigkeit werden oft als Gegensatz zu Ökonomie gesehen – als Lizenz zum Geldverbrennen."

Die Gründerin hat dann nach alternativen Finanzierungsmethoden gesucht und ist auf Crowdfunding gestoßen. „Ich habe Christoph Mussenbrock kennen gelernt, der 15 Millionen Euro für eine Wohnungsbau-Genossenschaft quasi per Crowdfunding eingesammelt hat. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass man auch eine Versicherung so finanzieren könnte.“

Daraufhin hat sie ihre eigene Kampagne auf Startnext gestartet, wobei es ihr hier nicht nur um das Einsammeln von Geld geht. Sie sieht hier auch ganz klar den Vorteil, potenzielle Kunden anzusprechen, ihre Idee bekannt zu machen und Feedback von außen einzusammeln. Auf die Frage, was hier ganz besonders herausfordernd fand, sagt sie: „Es war sehr herausfordernd, so etwas Kompliziertes wie eine nachhaltige Versicherung im Video, aber auch in Texten und Bildern kurz, prägnant und ansprechend zu vermitteln. Zum Glück helfen mir die Sichtbarmacher und Birte Pampel dabei!“

Eine Versicherung zu gründen wirkt vielleicht erst einmal ein bisschen verrückt und kaum machbar. Zum Glück gibt es Vordenkerinnen wie Dr. Marie-Luise Meinhold die uns zeigen, dass man Dinge erst einmal ausprobieren sollte, bevor man sie verloren gibt.

Hier könnt ihr ihr Projekt unterstützen und die Revolution der Versicherungsbranche mitgestalten!

© Fotos: Marie-Luise Meinhold, ver.de

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