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(K)Ein manipulativer Algorithmus auf Startnext
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(K)Ein manipulativer Algorithmus auf Startnext

10 min Lesezeit

In diesem Post geht es um die Algorithmen, die zum Ziel haben Nutzer:innen für ihre Zwecke zu manipulieren, zum Beispiel für mehr Umsatz. Ich erkläre dir warum wir uns bei Startnext erlauben, darauf zu verzichten.

Als Tino und ich 2009 an der Gründung von Startnext gearbeitet haben, war uns klar: Ein schlauer Algorithmus wird zu mehr Umsatz führen, zu mehr Erfolg bei den Projekten, zu mehr Login-Effekt, zu einer wachsenden Crowd und damit zu sehr viel Macht und Einzigartigkeit.

Ada Lovelace gilt laut Wikipedia als Erfinderin des Computer Algorithmus, 1843 war das. Ein solcher Algorithmus hat zum Ziel, ein Problem zu lösen, in dem er sich vorgegebenen Handlungsanweisungen bedient. Algorithmen stecken inzwischen in jeder Maschine. Ich bin kein Fachexperte für Algorithmen und kein Wissenschaftler, das vorweg.

Als Gründer eines Unternehmens hatte ich bisher immer die Sinnerfüllung im Blick. Bei Startnext waren Tino und ich der Meinung, dass es einen Bedarf an Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft gibt. Den Bedarf wollten wir stillen, in dem wir Kreative und Unterstützer:innen zusammenbringen. Neben der Erfüllung des Sinns entsteht insbesondere bei Plattformen eine große Macht. Plattformen sind oft erst dann nützlich und erfolgreich, wenn sie eine kritische Masse erreichen.

In den auf die Gründung folgenden Jahren konnten wir beobachten, wie diese These auf anderen Plattformen zum Erfolg führte. Wie Erfolg gemessen wird, wurde uns nochmal mit Nachdruck bewiesen, als Instagram für 1 Mrd. US$ an Facebook (Meta) verkauft wurde. 21 Mrd. US$ weniger als es dann bei Whatsapp waren. Wie kann etwas so mächtig sein?

Der Algorithmus kennt dich besser als du

In meinen Augen passen sich heutige Algorithmen so lange an, bis sie Handlungen antizipieren (vorwegnehmen), um dir eine persönliche Entscheidung vorzugaukeln. Das erfordert nicht nur, dass ein Profil von dir angelegt wird, damit der Algorithmus dich besser versteht, sondern es führt auch dazu, dass dein Verhalten immer mehr geformt wird, du nur noch die Dinge siehst, die du sehen sollst, weil sie wenig bis gar nicht negativ bei dir resonieren. Dir wird vorgelegt, was leicht für dich ist.

Das ist ungefähr so, als wenn du dir nur Freund:innen suchst, die dich positiv bestätigen und dir deine blinden Flecken nicht aufzeigen werden. Das fühlt sich gut an, aber Weiterentwicklung ist damit kaum möglich. Willkommen in der Filterblase.

Inzwischen ist vielen Internetnutzer:innen klar geworden, dass globale Plattformen Fluch und Segen zugleich sein können. Für mich sind Fluch zum Beispiel Facebook (Meta) und Google (Alpha), die inzwischen ganze Märkte bestimmen, Politik verändern und mit ihrem Kommerz Populismus fördern, aber dennoch von hohem Nutzen sind. Segen ist für mich Netflix, die ihre Macht dafür nutzen, uns zu zeigen, dass es noch viel mehr gibt als Hollywood-Romantik und Gewalt. Was Netflix in meinen Augen für die Diversität in der Branche tut, ist weit mehr, als von einem DVD-Versender je zu erwarten war. Trotzdem schaue ich dadurch nicht weniger Serien, deren ökologischer Fußabdruck ist eher schlecht, im Vergleich zu einem guten Buch.

Passen solche Algorithmen zu Startnext?

Die Frage musste ich mir stellen, denn das, was sie in meinen Augen bisher hauptsächlich tun, verachte ich inzwischen. Sie manipulieren im Großen und Ganzen im Hintergrund zu eigenen Zwecken. In den seltensten Fällen bin ich als Nutzer in der Lage, den Algorithmus selbst zu beherrschen.
Algorithmen werden von Menschen entwickelt. Auch wenn der Vergleich vielleicht hinkt, Computer Algorithmen und innere Muster (Bias) funktionieren in meinen Augen sehr ähnlich. Auch meine inneren Muster nehmen mir die Freiheit, mich selbst besser zu verstehen. Das habe ich inzwischen verstanden. In meiner Instagram Bubble wird dies täglich diskutiert.

Wo könnten manipulative Algorithmen bei Startnext stattfinden?

  1. Wir könnten dir Projekte anzeigen, die genau zu dir passen, damit du sie unterstützt.
  2. Wir könnten dir Dankeschöns anzeigen, von denen wir wissen: da wirst du schwach.
  3. Wir könnten Projekte sortieren, so dass du nur auf die Projekte aufmerksam wirst, die deinem Verhalten entsprechen. Wir lassen andere einfach weg.
  4. Wir könnten dich mit Nutzer:innen bekannt machen, die irgendwie genau so sind wie du. Ihr könntet Freunde sein.
  5. Wir könnten dir Projekte zeigen, die dich aufregen, damit du auf den Sozialen Medien darüber lästern kannst und damit für Reichweite sorgst.
  6. Wir könnten den Starter:innen Funktionen bauen, die dabei helfen, dich zu manipulieren. Du wirst dann ein Zombie ohne eigenen Willen sein.

Was mir beim Lesen auffällt, es greift in dein Leben ein. Startnext würde dich manipulieren, damit du mehr Geld gibst oder bekommst.

Ich bin überzeugt, dass das nicht nicht zu Startnext passt. Die Projekte brauchen mündige Unterstützer:innen, die für sich selbst entschieden haben, etwas zu fördern oder für sich zu kaufen.

Warum ist das so wichtig, wenn doch der Markt der Plattformen genau andersherum funktioniert?

  1. Startnext muss nicht skalieren. Wir können so sein, wie wir wollen. Wir müssen dich also auch zu nichts überreden. Du bist du.
  2. Es ist beim Crowdfunding wichtig, dass du dich bewusst für die Unterstützung entscheidest, denn es gibt keine Garantien. Oft ist nicht klar, ob das Produkt wirklich so wird, wie versprochen (oder sogar besser). Das bedeutet, dass du in einem anderen Bewusstsein konsumierst. Es wird mehr Toleranz von dir gefordert.
  3. Wenn du aufgrund von Werbung oder Manipulation eine Fehlentscheidung triffst, dann ist das ein grandioser Schaden für die Umwelt. Das kostet Rückversand, das kostet weitere Transaktionsgebühren, das Produkt ist vielleicht nicht mehr benutzbar oder verkaufbar. Dieser Schaden ist vermeidbar. Dieser Schaden entsteht aus meiner Sicht nur, wenn du nicht von innen überzeugt bist, sondern von außen „überredet“ wurdest.

Michael Seemann, hat schon 2014 sein 1. Buch Das neue Spiel auf Startnext finanziert und inzwischen ein zweites großes Werk über die Macht der Plattformen veröffentlicht. Hier geht er wissenschaftlich in die Tiefe und zeigt auf, wie die Macht der Plattformen in alle Lebensbereiche vorgedrungen ist und was das bedeutet, für die Gesellschaft, für die Politik und mich im Einzelnen.

Plattformen und ihre Algorithmen sind heute größtenteils kommerziell ausgerichtet, dabei sind auch andere Modelle möglich. Viele Menschen trauen diesen unverständlichen Algorithmen nicht. Da entsteht unweigerlich eine große Diskrepanz aus dem Nutzen der Plattform und dem Ihr-Ausgeliefert-Sein.

Du fragst dich jetzt vielleicht, wie Startnext seine Projekte sortiert. Warum sehe ich bestimmte Projekte häufiger und wie stellt Startnext die Projektempfehlungen auf den Projektseiten zusammen?

Hier etwas Transparenz:

Unsere Startseite wird von uns kuratiert. Wir zeigen Empfehlungen an, die unsere Redaktion von Hand auswählt. Unsere Empfehlungen kann niemand einkaufen. Diese werden dir dann per Zufall angezeigt. Der Zufall wird von einem sogenannten „Randomizer“ erzeugt.

Die Projektliste wird bei Aufruf nach einem von uns entworfenen „Crowdindex“ sortiert. Weil Schwarmintelligenz ein wesentliches Merkmal unserer Plattform ist, zeigen wir dir welche Projekte „performen“. Wobei wir da verschiedene Faktoren messen, damit Performance sich nicht nur an Umsatz koppelt, sondern auch an der Anzahl der Unterstützer:innen und Merkmalen für Vielfalt. Fakt ist, dass diese Liste für alle gleich aussieht und sich nur durch die Handlungen der Unterstützenden ändert. Dieser Algorithmus sorgt also dafür, dass du siehst, wenn ein Projekt durch die Decke geht.

Auf den Projektdetailseiten zeigen wir im Fußbereich, genau wie an anderen Stellen, Projekte an. Sofern diese Projekte gemeinsam mit dem geöffneten Projekt Teil einer Cofunding-Aktion sind, siehst du dort weitere zufällige Projekte dieser Cofunding-Aktion. Ansonsten siehst du immer laufende Projekte zufällig sortiert. Werbung auf Startnext gilt immer nur den aktuell laufenden Projekten auf Startnext.

Es ist Startnext egal, ob du ein Projekt besucht, favorisiert, kommentiert, geteilt oder unterstützt hast. Startnext wertet keine Verhaltensdaten seiner Nutzer:innen aus. Was würden wohl unsere Shareholder dazu sagen, wenn wir denn welche hätten?

Wenn du das jetzt kaum glauben kannst, dann verstehe ich das total.

Plattform = kostenlos = werbefinanziert = Algorithmus = Targeting = Daten verkaufen

Okay. Ja, jetzt ergibt alles einen Sinn.

Startnext finanziert sich nicht durch die Werbeindustrie oder eine durchaus legitime Paywall. Wir crowdfunden uns selbst seit fast 10 Jahren. Wir sind quasi abhängig davon, dass die Plattform für Starter:innen, Unterstützer:innen und Partner:innen funktioniert. Wir haben das dadurch abgesichert, dass wir von drei Seiten eine freiwillige Unterstützung bekommen. Ganz konkret erhalten wir 23% von unseren Starter:innen, 72% von unseren Unterstützer:innen und knapp 5% von unseren Partner:innen. Wir können es also nicht nur einer Seite recht machen. Es braucht eine Balance zwischen Mitarbeiter:innen – Starter:innen – Unterstützer:innen und Partner:innen. Nur sehr wenige Unternehmen sind bisher mutig genug, das auszuprobieren.

Auf Instagram oder Twitter würde es wie folgt lauten:

Selbstbestimmte Menschen lieben diesen Trick: „Eine unabhängige Plattform, die nicht vom Sammeln und Verkaufen von Daten finanziert wird, sondern von der freiwilligen Bezahlung durch diejenigen, die diese Plattform lieben und durch sie ihre Träume verwirklichen oder fördern können.“

Ich denke, Crowdfunding heißt in eine Vision oder die eigene Hoffnung zu „investieren“, damit die Willenserklärung der Starter:in zur Tatsache werden kann. Das ist ein großer Unterschied zum Konsum auf Plattformen wie  Amazon, wo alles verfügbar ist, auch wenn es den Planeten zerstört. Startnext will keine Konsumzombies fördern, sondern das Bewusstsein für die eigene Handlung schärfen.

Es nützt der Community von Startnext nichts, wenn Algorithmen irgendjemanden von irgendetwas unnötigen überzeugen. Die Überzeugung muss schon da gewesen sein. Was du auf Startnext findest, beglückt dich und unterstützt dein Handeln. Startnext schreibt dir aber nicht vor, was du zu denken hast.

Eine Plattform ohne Zwänge?

Ich finde, mit Startnext verhält es sich, wie mit einer Freundschaft. Du kommst zu uns, wenn du willst. Du gehst wieder. Wir nerven dich nicht. Und irgendwann kommst du einfach wieder und hast neuen Spaß mit uns.

Bei uns sammelst du als Starter:in wertvolle Erfahrungen, für das, was du tust. Wir werden dich dafür nicht bewerten oder kategorisieren. Das machst du allein.

Wenn wir dich bei uns aufnehmen, dann solltest du nicht Opfer eines manipulativen Algorithmus werden. Ich glaube Algorithmen machen unfrei, sie verkürzen den Blick, sie fördern Selbstüberhöhung und den irrigen Glauben, auf der richtigen Seite sein.

Ich glaube, dass Algorithmen dabei helfen können, Viren, die Natur und das Universum zu verstehen. Das verstehen zu wollen, sollte aber die Entscheidung jedes Einzelnen sein.

Cookie-Banner vs. Zebrastreifen

Der Cookie-Banner, hat sich die EU gedacht, sollte die Lösung für das Problem sein, dass Nutzer:innen Algorithmen nicht sehen und ausschalten können. Der Cookie-Banner verändert kein Verhalten. Er nervt und macht uns blind, wie eine Fußgängerampel uns blind für den Verkehr macht.

Das gute an einem Zebrastreifen ist in meinen Augen, dass er funktioniert. Startnext ist der Zebrastreifen zwischen Starter:innen und Unterstützer:innen. Das ist nicht ungefährlich, aber es hilft dir, bei dir selbst zu bleiben. Wenn du dich mal vertan hast, mit einem Projekt oder einer Unterstützung, dann schau auf dich selbst. Die Verantwortung liegt und lag bei dir. Startnext wird dir keinen Algorithmus liefern, dem du ausgeliefert warst.

Um uns herum gibt es viele Plattformen, ohne die Crowdfunding nicht so gut funktionieren würde. Instagram, Facebook, Twitch, Twitter, Google, Tiktok, Linkedin, Youtube sind alles Plattformen voller auf dich angepasster Algorithmen. Du wirst also hin und wieder doch mit Projekten konfrontiert, die deinem Geschmack entsprechen sollen. Das können wir nicht ändern. Wenn du tiefer in die Materie einsteigen möchtest, so empfiehlt unsere Datenspezialistin Cheyenne Lindemann https://www.madetomeasure.online.  

Wenn du Erholung von solchen Computer Algorithmen brauchst, kommst du zu uns.

Disclaimer: Startnext wird von Menschen gemacht. Nicht jede:r im Team wird meine Meinung teilen. Das ist gut so.

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