„Wir holen die Spielvereinigung Fürth zurück” – Fans sammeln 150.000 Euro für ihren Vereinsnamen
Was bedeutet ein Vereinsname für die Menschen, die Woche für Woche für ihren Verein auf den Rängen stehen? Was bedeutet er für eine ganze Stadt? Was können Fans erreichen, wenn sie sich zusammenschließen? Ein Interview mit der Initiative „Zurück zur SpVgg Fürth“.
Für die Initiative „Zurück zur SpVgg Fürth“ ist klar: Ihr Verein muss wieder „Spielvereinigung Fürth“ heißen. Das „Greuther“ soll nach 30 Jahren wieder aus dem Namen raus. Dabei geht es nicht nur um Tradition. Vielmehr soll ihre Crowdfunding-Kampagne den Weg zu mehr Identifikation, demokratischer Teilhabe und einer gemeinsam gestalteten Zukunft des Vereins ebnen. Das Kleeblatt, wie der Verein mit dem markanten grünen Kleeblatt im Logo auch genannt wird, soll in die ganze Stadt und darüber hinaus strahlen.
Titelbild: Kundgebung der Initiative „Zurück zur SpVgg Fürth“. Fotocredit: spvgg-fuerth.com
Es überrascht nur auf den ersten Blick, dass dafür eine größere Menge Geld benötigt wird. Schließlich war eine jahrelange Vorbereitung notwendig um an den jetzigen Punkt zu kommen. Wenn die Mitgliederversammlung die Namensänderung Anfang November beschließen sollte, geht die Arbeit erst richtig los: Satzung, Register und der gesamte Markenauftritt müssten geändert werden. Als erstes Ziel wollen die Organisator:innen deshalb 100.000 Euro sammeln, das zweite Etappenziel liegt bei 150.000 Euro.
Einer Mit-Initiatoren der Kampagne ist Fabian Northmann. Er ist Sozialarbeiter in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe und seit vielen Jahren in mehreren Fanprojekten und -gruppierungen aktiv. Fabian schildert die Hintergründe der Kampagne, spricht über Herausforderungen und Vorbilder, die Verantwortung der Fans und die Kraft der Solidarität. Max Rosch hat ihn für Startnext interviewt.
Startnext: Fabian, erinnerst du dich noch an deinen ersten Stadionbesuch?
Fabian Northmann: Ich erinnere mich noch bruchstückhaft daran. Das müsste 1996 gewesen sein. Da war ich sechs Jahre alt und das erste Mal im Sportpark Ronhof in Fürth. Mitgenommen hatte mich damals ein Nachbar. Seitdem war relativ schnell klar, dass mich die Spielvereinigung Fürth in ihren Bann gezogen hat. Weniger aber tatsächlich der Sport, der zu diesem Zeitpunkt unten auf dem Rasen gespielt wurde, als vielmehr das, was auf den Rängen passierte: dass da geschrien, gesungen und unterstützt wird, dass Fahnen geschwenkt werden und Choreografien gezeigt wurden.
Wie bei vielen anderen Fußballfans ist daraus eine Faszination entstanden. Je älter du wirst, desto mehr entwickeln sich Einblick und Tiefe. Ich denke, gerade für junge Menschen ist es wahnsinnig faszinierend, was im Stadion abgeht.
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Fabian Northmann, Fotocredit: Miller Films
Damals hast du wahrscheinlich noch nicht daran gedacht, später eine Kampagne für die Rückkehr zum ursprünglichen Vereinsnamen mitzugestalten.
Auf keinen Fall. Wenn du mit sechs Jahren das erste Mal im Stadion bist und dann sukzessive in die aktive Fanszene oder auch Ultraszene hineinwächst, ist da zunächst nur diese Faszination. Mit manchen Themen setzt du dich erst Stück für Stück auseinander. Es kommt natürlich auch darauf an, wer dir etwas vorlebt. Bei uns war eine Generation an Ultras über mir, die eine gewisse Grundhaltung weitergegeben hat. Dann machst du dir als junger Mensch mehr und mehr Gedanken darüber, wie du deinen Verein und deine Fanszene voranbringen kannst.
Dadurch hat sich das in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dahin entwickelt, dass wir immer wieder dieses Thema Vereinsname hatten. Wir haben gemerkt: Wir kommen damit nicht weiter. Gerade ein Vereinsname oder ein Vereinslogo ist etwas Prägendes und Grundlegendes. Es ist das, womit du dich bei einem Fußballverein zunächst identifizierst und was deinen Verein und dessen Stadt nach außen repräsentiert.
Welche Erlebnisse mit dem Verein waren für dich besonders prägend? Wie wirkt sich das auf die Kampagne aus?
Natürlich gibt es besondere Spiele und Derbysiege. Oder eine Choreografie, auf die du monatelang hingearbeitet und für die du Tage und Nächte auf irgendwelchen Hallenböden verbracht hast – um dann für ein paar Sekunden diesen Moment zu genießen, in dem alles klappt. Manchmal klappt es auch nicht. Frustration und Glückseligkeit hängen im Fußball oft ganz eng zusammen.
Wenn man auf unser Projekt schaut, ist es wahnsinnig erfüllend zu merken, dass es sich langsam von einem Projekt, das nur eine Handvoll Leute initiiert haben, zu einer richtigen Bewegung entwickelt hat. Du merkst, dass das Thema in der Stadt, im Verein und in der Fanszene präsent ist. Durch das Crowdfunding bekommen wir wahnsinnig viel und vor allem positives Feedback. Du merkst: Diese jahrelange Arbeit hat sich gelohnt.
Wenn du daran denkst, dass wir vor acht Jahren angefangen haben und jetzt zwei Monate vor der Abstimmung stehen, dann spürst du, dass es Früchte trägt. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Genauso, wenn du alle zwei Wochen in einem anderen Stadion stehst und eine Fanszene ein Plakat mit einem Solidaritätsspruch hochhält, der dich in deinem Weg bestärkt. Solchen Zuspruch und solche Gefühle findest du außerhalb des Fußballs selten in dieser Intensität.
Wann habt ihr entschieden, eine konkrete Kampagne zu planen und umzusetzen?
Das Thema schwelt eigentlich schon, seitdem es begonnen hat. In den 1990er-Jahren stand unser Verein finanziell am Abgrund. Damals wurde der Zusatz „Greuther“ in den Vereinsnamen aufgenommen, sodass es nicht mehr Spielvereinigung Fürth, sondern Spielvereinigung Greuther Fürth hieß. Rückblickend war dieses Thema immer präsent – mal mehr, mal weniger. Aber es hat uns in den vergangenen 30 Jahren nie wirklich losgelassen, und das generationenübergreifend.
2018 haben wir gemerkt: Irgendwie kommen wir mit diesem Thema nicht voran. Über viele Jahre wurde versucht, diesen Zusatz ein bisschen wegzulächeln oder weniger zu beachten. Aber es hat nicht funktioniert. Für das Gefühl und die Verbundenheit zu diesem Verein war deshalb klar: Wir müssen mit diesem Namen etwas anstellen und etwas in Bewegung bringen. Wir haben geschaut, welche Generationen schon bei der damaligen Abstimmung dabei waren, und gleichzeitig jüngere Menschen einbezogen, die neue Perspektiven und Blickwinkel aufmachen können.
Dann haben wir gesagt: jetzt oder nie. Dass unser damaliger Präsident Helmut Hack im selben Jahr aufgehört hat und in den Ruhestand gegangen ist, war für uns zusätzlich der Startschuss. Wir wollten das auch aus Verantwortung für unseren Verein selbst in die Hand nehmen.
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Fotocredit: spvgg-fuerth.com
Warum ist dieser Name so wichtig? Außenstehende könnten sagen: Es ist doch nur ein Name.
Für jemanden, der sich nicht tiefer damit beschäftigt hat, ist der Hintergrund zunächst vielleicht nicht nachvollziehbar. Ein Name und ein Logo sind bei einem Verein das erste Aushängeschild dafür, wo der Verein herkommt. Der Zusatz „Greuther“ kommt daher, dass der TSV Vestenbergsgreuth damals das nötige Geld hatte, um die Spielvereinigung über Wasser zu halten. Es gab Mitte der 1990er-Jahre den Beitritt der Fußballabteilungen des TSV zur SpVgg Fürth. Das war keine Fusion – das wird oftmals falsch dargestellt.
Natürlich war das damals überlebenswichtig. Gleichzeitig wurde aber von heute auf morgen ein großes Stück Identität herausgerissen. Jahrzehntelang hat der Verein unter einem Namen in der Öffentlichkeit stattgefunden. Dann bekam er plötzlich einen anderen Namen und ein anderes Logo.
Und das ist erst einmal nur das, was man von außen sieht. Im Hintergrund wurden aus unserer Sicht auch Strukturen verändert und der Verein ein Stück weit entdemokratisiert, Mitgliedsbeiträge erhöht, Sperrminoritäten geschaffen. Dabei haben wir in Deutschland mit den eingetragenen Vereinen, gerade im Fußball, ein sehr hohes Gut, bei dem Demokratisierung und Partizipation zählen. Das gilt es zu schützen.
Am Ende ist das auch ein wirtschaftliches Thema. Wenn sich Fans und Mitglieder mehr mit ihrem Verein identifizieren können – und unter dem Namen „Greuther“ war das nie so richtig der Fall –, dann hat ein Verein mehr Strahlkraft nach außen. Es kommen mehr Zuschauer, es werden mehr Einnahmen generiert. Und wenn der Verein bei den Mitgliedern und Zuschauern wächst, wird er langfristig auch für potenzielle Sponsoren und Partner interessanter. Das heißt, auch finanziell wird es für den Verein interessanter.
☘️Die Spielvereinigung Fürth in Zahlen
Dreimal deutscher Meister – 1914, 1926 und 1929. Dazu kommen mehrere süddeutsche Meistertitel.
Älteste Spielstätte im deutschen Profifußball: Im Sportpark Ronhof wird seit 1910 Fußball gespielt – länger als auf jedem anderen Platz eines deutschen Profiklubs.
Konstant im Profifußball: In den vergangenen zehn Jahren spielte das Kleeblatt einmal in der Bundesliga (2021/22), sonst durchgehend in der 2. Liga. Schon 2012/13 war der Verein erstklassig.
1996: Die Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth trat der Spielvereinigung bei – keine Fusion. Seitdem heißt der Verein SpVgg Greuther Fürth.
Ihr sagt außerdem, der neue Name habe sich nie richtig durchgesetzt. Was meint ihr damit?
Es spricht in Fürth fast niemand davon, dass jemand „zu den Greuthern“ geht oder „Greuther-Fan“ ist. Vielleicht gab es das zu Beginn, aber seit Jahren ist es weitgehend verschwunden. Selbst auf Fanartikeln oder in eigenen Publikationen spricht der Verein kaum von „Greuther Fürth“. Häufiger ist vom Kleeblatt oder Kleeblatt Fürth die Rede. Viele Menschen außerhalb Fürths fragen uns zudem: Wo ist eigentlich dieses „Greuther Fürth“? Manche denken, die Stadt hieße so oder „Greuther“ sei ein Stadtteil von Fürth.
Das zeigt, dass sich der Name auch nach 30 Jahren nicht durchgesetzt hat und unklar ist, wo dieser Verein eigentlich herkommt. Das mag auf den ersten Blick kleinlich wirken. Aber wenn nicht einmal klar ist, wo dein eigener Verein herkommt, ist es für die Menschen, die dort wohnen, wahnsinnig schwierig, sich damit zu identifizieren.
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Fotocredit: spvgg-fuerth.com
Es ging nach dem Beitritt aber nicht nur um Namen und Logo?
Nein, es wurde damals auch versucht eine Art neue Marke zu kreieren. Der Stadionname wurde verkauft. Es gab Spieltage, an denen die Mannschaft in den blau-gelben Farben eines Möbelhauses aufgelaufen ist. Es wurde eine Cheerleader-Truppe aufgebaut, als ginge es um eine Halbzeitshow in der NFL. Und gleichzeitig sind Devotionalien aus der Vereinsgeschichte einfach weggeworfen worden – Fans haben Teile davon aus Schuttbergen vor der alten Haupttribüne gerettet. Ein Versuch die über Jahrzehnte gewachsene Historie zu verdrängen.
Wirtschaftlich war zu diesem Zeitpunkt sicherlich die notwendige Kompetenz im Verein, ein gutes Netzwerk vorhanden. Was aber bis heute nicht verstanden wurde: Man kann einen Fußballverein nicht rein wie ein Wirtschaftsunternehmen führen. Da gehört immer eine emotionale Komponente dazu. Und so hat der Verein nie wirklich das gefunden, für was er als Verein eigentlich stehen will und ist seitdem auf der permanenten Suche nach der eigenen Identität. Die Namens-Debatte ist ein Sinnbild dafür.
Nach Mitte der 1990er-Jahre haben wir dadurch viele Leute verloren, weil sie gesagt haben: Das ist nicht mehr mein Verein, da ist keine Seele mehr dahinter. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren langsam wieder geändert.
Was fordert ihr konkret?
Wir wollen endlich eine Vereinheitlichung. Bis heute hat unser Verein zwei verschiedene Logos: eines im e.V. und ein anderes in der ausgegliederten Profiabteilung. Unserer Ansicht nach kann es nicht sein, dass ein Verein mit zwei verschiedenen Logos auftritt – allein schon in puncto Wiedererkennung.
Das ist aber nicht alles: Damit einhergehen soll eine stärkere emotionale Bindung, indem du als Mitglied und Fan tatsächlich Teil des Vereins sein kannst. Langfristig wollen wir den Verein stärker demokratisieren und Partizipation voranbringen. Nach der Änderung des Namens und der Vereinheitlichung des Logos soll sich deshalb auch beim Thema Satzung einiges tun. Wir wollen die Satzung grundlegend erneuern und mehr Teilhabe ermöglichen.
Wer steht eigentlich hinter der Initiative?
Angefangen hat es mit einer Handvoll Leute aus der Ultra- und aktiven Fanszene. Inzwischen ist es eine bunte Mischung: Menschen aus der Fanszene, einzelne Kleeblatt-Fans ohne Gruppenzugehörigkeit, Kleinunternehmen aus der Stadt, Kunst- und Kulturschaffende und Leute aus der stadtpolitischen Gesellschaft.
Am Anfang hieß es: Das sind doch nur ein paar Junge. Oder: Das wollen eh nur die Ultras. Und aktuell heißt es vielleicht: Die kriegen die Mehrheit von 75 Prozent nicht zusammen, die wir bei der Abstimmung im November brauchen.
Aber ein langer Atem zahlt sich oft aus, vor allem die Beharrlichkeit. Wenn du dich vernünftig vorbereitest, gut argumentierst und die Menschen sowohl mit Fakten als auch emotional mitnimmst, dann schaffst du durchaus das, was Außenstehende nie für möglich gehalten haben. Irgendwann merkst du: Es ist nicht mehr die Sache einer Gruppe, sondern eine Bewegung in der ganzen Stadt.
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Fotocredit: spvgg-fuerth.com
Der Name eurer Kampagne klingt zunächst nach einem Blick zurück. Was bedeutet euer Slogan „Tradition als Chance“?
Wenn wir acht Jahre zurückdrehen könnten, weiß ich nicht, ob wir den Kampagnennamen noch einmal genauso wählen würden. „Zurück zur SpVgg Fürth“ suggeriert natürlich, dass wir in alte Zeiten zurückwollen. Es soll aber überhaupt nicht so rüberkommen, als wären wir nach dem Motto unterwegs: Früher war alles besser.
Wir wollen den Blick nach vorne richten. Deshalb haben wir den Slogan „Tradition als Chance“ seit geraumer Zeit mit dazugenommen. Wir wollen in gewisser Weise zum traditionellen Vereinsnamen zurück, aber gleichzeitig mit den aktuellen Entwicklungen im Hier und Jetzt arbeiten und dort ansetzen. Zuerst wollen wir den Menschen mit der Crowdfunding-Kampagne zeigen, was überhaupt möglich ist, wenn viele Leute gemeinsam an einem Projekt arbeiten und jede und jeder einen kleinen Anteil dazu gibt. Damit wollen wir das Selbstverständnis der Fanszene nachhaltig stärken und unseren Unterstützerinnen und Unterstützern etwas zurückgeben.
(Selbst-)Wirksamkeit spielt bei Projekten auf Startnext eine große Rolle. Wie werden Fußballfans in ihrem Verein wirksam?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. In allererster Linie kann man ganz niedrigschwellig im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis über Themen sprechen, die den Verein betreffen. Vielleicht trägt man auch Themen wie unser Projekt weiter. Das lebt ganz viel über Mundpropaganda – nicht nur über Social Media, sondern auch beim Abendessen mit der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule oder am Stammtisch.
Ein nächster Schritt wäre natürlich, Mitglied im Verein zu werden. Ich glaube, das ist wahnsinnig wichtig, um auch rechtlich etwas bewegen und seinen eigenen Verein voranbringen zu können. Darüber hinaus gibt es an vielen Standorten Projektideen, Fangruppen oder fanclubübergreifende Bündnisse. Jeder Standort hat wahrscheinlich vernünftige Anlaufpunkte, bei denen man sagen kann: Da kann ich mich einklinken und engagieren.
Welche Verantwortung tragen Fans für die Entwicklung des Fußballs?
Fußball ist sehr heterogen. Ich glaube, es gibt kaum einen anderen Ort, an dem so viele Menschen aus unterschiedlichen Sozialisationen und mit so unterschiedlichen Biografien zusammenkommen. Darum ist es wichtig, immer wieder zu schauen: Wofür wollen wir als Fanszene und vor allem auch als Verein stehen? Wo gibt es Entwicklungen, die gut und unterstützenswert sind und ein vernünftiges Miteinander oder eine Gemeinschaft fördern? Was wollen wir pushen? Und wo gibt es Entwicklungen, die nicht gut sind?
Wenn irgendwelche Nazis oder Faschisten versuchen, in Fußballstadien zu rekrutieren, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu streuen, wenn versucht wird, Eintrittspreise zu erhöhen, oder wenn Weltmeisterschaften organisiert werden, die jenseits von vernünftigen, nachhaltigen Zielen stattfinden, dann müssen Fans ihren Mund aufmachen – egal wie und egal wo.
Man muss sich fragen: Wie wollen wir den Fußball gestalten? Das ist immer wieder ein neuer Aushandlungsprozess, der auch gesellschaftliche Entwicklungen einbeziehen muss. Dem können sich ein Fußballstadion und eine Fanszene nicht verschließen. Der Fußball Anfang der 1990er- oder Anfang der 2000er-Jahre war ein anderer als heute. Damit geht auch eine Verantwortung einher, wie Fans den Fußball im Großen und Ganzen gestalten wollen. Denn der Fußball gehört den Fans.
Welche Rolle spielt Crowdfunding dabei? Welche Vorbilder gibt es?
Wir sehen in Deutschland immer wieder, wie gut es im Fußballkontext gelingt, Menschen zu mobilisieren, um gemeinsam für ein großes Ziel zu kämpfen. Das können Demonstrationen sein oder ein Projekt wie unseres. Beim Vereinsnamen und beim Logo betrifft das zunächst uns in Fürth. Aber viele Fans sehen auch den Hintergrund und das eigentliche Ziel: Fans organisieren und engagieren sich vereins- und fanpolitisch, um ihren Verein und damit auch den Fußball ein stückweit nach vorne zu bringen.
Das Crowdfunding in Jena entstand zum Beispiel aus dem Versuch der Südkurve, ihren Standort gegen andere Pläne dort zu erhalten, wo er seit Jahren hingehört. Man hat auch gesehen, welche Strahlkraft eine neue Marke wie „Crowdfanding“ im Fankontext entwickeln kann. Der „Crowdfanding e.V.“ ist ein Verein aus Jena, der Fan-Crowdfundings begleitet – auch unseres. Aber es war nicht nur Jena. Mainz hat über Crowdfunding ein Fanhaus finanziert und ein Replikat eines besonderen Pokals zurückgeholt. Der FSV Zwickau und dessen Fanszene haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, dem eigenen Verein unter die Arme zu greifen und sein Überleben zu sichern. Dabei waren es nicht nur Fans des FSV Zwickau, die finanziell unterstützt haben. Auch Fans anderer Vereine haben Geld gegeben, weil sie wissen, wie wichtig ein Verein für einzelne Menschen sein kann.
Vorbilder hatten wir also auf jeden Fall. Wir haben von den Erfahrungen aus Jena und Mainz profitiert und waren in der glücklichen Lage, mehrere Crowdfunding-Projekte vorab zumindest von außen begleiten zu können. Dadurch konnten wir uns einiges abschauen und hatten auch den persönlichen Austausch, um Erfahrungswerte gerade im Fußballkontext mitzunehmen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Crowdfunding ein cooles Format ist und diese große Solidarität noch sichtbarer machen kann, als sie zwischen den Fankurven ohnehin schon vorhanden ist. Dabei können auch Rivalitätsgrenzen wegfallen.
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Fotocredit: spvgg-fuerth.com
Eure Kampagne ist auf einem guten Weg, das Finanzierungsziel zu erreichen. Was ist euer Erfolgsrezept?
Es beginnt damit, gute Öffentlichkeitsarbeit zu leisten – und gerade im Vorfeld der Crowdfunding-Kampagne viel Aufklärungsarbeit zu machen. Wir merken, dass Reels und Erklärvideos gut gezogen haben. Gleichzeitig hatten wir natürlich die Möglichkeit, acht Jahre lang gewissermaßen in einer Vorbereitungsphase zu sein. Dadurch haben wir einen Zeitpunkt erwischt, an dem viele Leute außerhalb Fürths zumindest schon einmal davon gehört hatten, dass dort Menschen den Vereinsnamen zurückholen wollen.
Es gab Spruchbänder in anderen Fanszenen, Beiträge und Interviews in Infoheften und überregionalen Fanszene-Magazinen. Viele wussten Bescheid und warteten eigentlich nur darauf, dass der finale Schritt kommt. Das war einer unserer größten Vorteile: viel Info- und Aufklärungsarbeit im Vorfeld zu leisten. Und natürlich eine gute Geschichte zu erzählen.
Deshalb war es uns beim Kampagnenvideo wichtig, nicht zu viel praktisch zu erklären. Die Details konnten wir über Reels und Social Media vermitteln. Im Video wollten wir vor allem das Gefühl transportieren: Wo kommen wir her, und wo wollen wir hin?
Und das gilt ja nicht nur für den Fußball. Am Anfang sind es vielleicht Ideen, die mal mehr, mal weniger realistisch erscheinen. Je mehr man sich damit auseinandersetzt und je mehr Mitstreiterinnen und Mitstreiter man gewinnt, desto realistischer kann es am Ende des Tages werden. Selbst wenn du nicht alle Ziele umgesetzt bekommst: Du kannst etwas bewegen, und du bist im Gespräch.
Wenn die Namensänderung gelingt – was passiert dann? Welche Vision hast du für die Spielvereinigung in fünf bis zehn Jahren?
Erst einmal werden wir groß feiern. Aber dann fängt ganz viel Arbeit eigentlich erst an. In den nächsten Jahren wollen wir diverse vereinspolitische Themen anbringen. In erster Linie geht es darum, Fans und Mitgliedern mehr Partizipation und mehr Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen. Das hat es in den vergangenen Jahrzehnten aus unserer Sicht kaum gegeben. Darüber wollen wir mehr Bindung und wiederum mehr Identifikation aufbauen.
Wir planen nach der Abstimmung außerdem eine breit angelegte Mitgliederoffensive – bestenfalls gemeinsam mit dem Verein und der Fanszene. Wir wollen neue Mitglieder gewinnen und aus diesem Image herauskommen, ein kleiner Verein zu sein, der mit wenig finanziellen Mitteln nur wenig machen kann. Hinzu kommt das allumfassende Thema Vereinssatzung. Die wollen wir auf den Stand von 2026 bringen, weil sie aus unserer Sicht sehr veraltet ist.
Am Ende des Tages wäre ich zufrieden, wenn ein neuer Aufschwung entsteht – ein neuer Aufbruch und ein neues Gefühl. Ich wünsche mir, dass die Spielvereinigung Fürth in der Öffentlichkeit wieder richtig gut stattfindet. Natürlich wünsche ich mir mehr Mitglieder. Vor allem aber Mitglieder und Fans, die sich vereins- und fanpolitisch engagieren.
Bestenfalls entsteht wieder eine stärkere Bindung und Identität zwischen dem Verein, der Stadt und den Menschen, die in dieser Stadt leben. Wir wollen aus diesem jahrelangen Zwist und der Diskussion um die Namensrückbenennung rauskommen, uns aus dieser Klammer befreien und sagen: Jetzt haben wir einen Namen und ein Logo. Jetzt können Fanszene und Verein gemeinsam tolle Projekte entwickeln und voranbringen.
Die Spielvereinigung Fürth soll nach außen, aber natürlich auch nach innen wieder ein positives Image haben. Dieser Verein hat eine große, einzigartige Geschichte. Und hinter ihm stehen Menschen, die Bock haben, ihn voranzubringen.