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manaomea: Bleistifte ohne Holz aus alter Kleidung
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manaomea: Bleistifte ohne Holz aus alter Kleidung

Anna Theil
15.11.2016
4 min Lesezeit

Was macht ihr mit alten Kleidungsstücken, die ihr ausrangiert habt? Macht doch einfach Bleistifte daraus! Das Startup manaomea hat eine Technologie aus der Raumfahrt adaptiert, um Bleistifte ganz ohne Holz herzustellen. Aus fair gehandelter Bio-Naturfasern oder alter Kleidung fertigen sie Stifte, die Geschichten erzählen. Die Starter Christine Arlt und Ulrich Riedel berichten im Interview von ihrer Motivation und ihren Zielen.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind manaomea, ein Social Startup aus München. Wir machen Design-Produkte aus Bio-Naturfasern und alten Textilien. Unsere ersten Produkte sind Bleistifte. Und jeder Stift erzählt eine Geschichte.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Die Technologie für die Stifte haben wir aus unserem vorigen Leben, der Raumfahrtforschung, mitgebracht. Sie entstammt einem Prozess, der für Satellitenstrukturen genutzt wurde.

Ich glaube, dass Uli damals, als er die Technologie erfand, ganz unbewusst von seinem Papa – einem Künstler – geleitet war. Uli ist Chemiker, also theoretisch genau gar kein Künstler. Praktisch ist er absolut ein Künstler. Er zeichnet wunderschön und ist Architekt im Molekülzusammenbauen. Ich bin glücklich, dass Uli vor vielen Jahren genau dieses Patent angemeldet hat, denn Stifte bedeuten Zeit und Raum für Kreativität, für Gedanken, für Sinnliches, für Kunst und für sich selbst. Das ist genau das, was in unserer Zeit viel zu wenig da ist oder sich nicht genommen wird. Darüber hinaus werden für unsere Stifte genau die Rohstoffe verwendet, mit denen wir etwas bewegen können - und zwar genau dort, wo Bewegung dringend nötig ist: in der Textilwelt.

Was ich noch hinzufügen möchte: Wir mögen Bäume, unbedingt! Und wir mögen auch Holzprodukte. Wir verteufeln Holzbleistifte nicht, aber wir hinterfragen die Nutzung von Ressourcen – von so großen Bäumen für so kleine Stifte mit so vielen Spänen (80% des Stammes) bei der Herstellung.

Warum ist es euch wichtig, das Projekt zu realisieren?

Wir möchten die Welt ein Stückchen bunter und ein bisschen sinnlicher, berührender, schöner und auch besser machen. Deswegen sprechen wir von der kleinen Revolution.

Oft sind Produkte seelenlos und erzählen nichts. Das finde ich supertraurig und gewissermaßen wertlos. Erst mit der Geschichte hinter dem Produkt, ob es die Kunst der Handwerkerin ist oder die Hingabe des Zitronenbauern, erhält das Produkt für mich Seele und Wertigkeit. So sollen unsere Stifte von den Baumwollbauern oder den Textilmüllbergen erzählen. Oder von der Industrie in Bangladesch, so wie unser "Kleiner Rebell", der im nächsten Jahr auf den Markt kommt: Ein Stift mit besonderer Form aus Jute. Eine Faser, die sonst nur industriell für Kaffee- oder Kakaosäcke oder Schiffstaue genutzt wird. Hier bekommt der Bauer normalerweise kaum etwas von seiner Ernte. Wir machen das anders!

Ich wünsche mir, dass unsere Produktion endlich läuft und wir unsere Koffer packen und unsere Baumwollbauern in Uganda besuchen können, um mit ihnen Handspinnereien aufzubauen. Genauso wartet Hriny, eine treue und hoffentlich zukünftige junge Entrepreneurin in Dhaka, Bangladesch, schon darauf, gemeinsam mit uns ein Textilstreifennähprojekt für Frauen starten zu können. So können aus Müllbergen von Textilien, die in Dhaka achtlos in Säcken in Hinterhöfen liegen, Stifte entstehen.

Doch zuerst starten wir hier bei uns in Deutschland. Wir möchten mit Flüchtlingen Streifen für Stifte nähen und ich hoffe, wir können zeitnah damit loslegen. Die Stifte tragen die Veränderung sichtbar als Design in sich. So entsteht eine Verbindung von Mensch zu Mensch.

Welchen Crowdfunding Tipp könnt ihr zukünftigen Startern weitergeben?

Parallel zum Funding haben wir sehr viel echten Vertrieb gemacht und konnten größere Summen im Sinne von Kooperationen und Industrieaufträgen einsammeln. Das ist natürlich toll, weil wir wunderbare Menschen finden konnten, die uns voll und ganz unterstützen, mit uns gemeinsame Sache machen und z.B. als "Inventors Circle" schon bald am Winterlagerfeuer zusammen kommen.

Darüber hinaus kann ich raten, authentisch den eigenen Weg zu gehen. Kommuniziert viel und mit viel Freude, erzählt schöne persönliche Geschichten und baut ein super Netzwerk auf, das euch unterstützt. Dann klappt das auch.

Mit wem würdet ihr gerne zusammenarbeiten?

Wir haben momentan schon ganz wundervolle Menschen, mit denen wir arbeiten. Ich freue mich immer ganz besonders, wenn wir mit echten Talenten arbeiten dürfen, also Menschen, die sich und ihre Passion gefunden haben. Zukünftig würde ich gern noch mehr mit Menschen arbeiten, die Kraft und Veränderung in sich tragen, die etwas bewegen wollen und die das Netzwerk haben, etwas zu bewegen – kleine & große Revoluzzer eben.

Und weil wir uns der Textilwelt sowie der Künstlerwelt zugehörig fühlen, wäre ich glücklich über einen tollen Designer aus dem Bereich Ethical Fashion, mit dem wir Kollektionen entwerfen können: Stiftekollektionen, die über den Laufsteg gehen und von Veränderung erzählen. Außerdem würde ich gern Charlie Hebdo für einen wunderhübschen Botschafter-Stift gewinnen.

Vielen Dank für das Interview! Hier könnt ihr manaomea unterstützen.

© Fotos: manaomea

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