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„Der Fühlweber“ ist ein Science-Fantasy Roman: Menschen siedeln seit langem auf Nouworld und inzwischen gibt es unter ihnen besonders Begabte. Vor allem Fühlweber können jeden mental steuern, weshalb man sie fürchtet, aber auch braucht. Gav ist Fühlweber. Und als er unabsichtlich jemanden mit seiner Gabe verletzt, wird er zum Gejagten der Gilde, die jeden Missbrauch sofort ahndet. Er flieht – und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur. Hier signiert bestellen! Leseprobe im Blog ↓
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27.09.2022

Die wichtigen W-Fragen

Juliane Block
Juliane Block4 min Lesezeit

Vielleicht hast du ja schon mal mit dem Gedanken gespielt, selbst einen Fantasy- oder Science-Fiction-Roman oder ein Rollenspiel zu schreiben. Und vielleicht hast du in dem Zusammenhang auch schon mal von den sechs W-Fragen gehört. Sie lauten: Was geschieht? Wer ist beteiligt? Wo findet es statt? Wann findet es statt? Wie kommt es dazu? Und last, but not least: Warum passiert das alles?

Gerade bei Science-Fiction und Fantasy halte ich diese Fragen für besonders wichtig. Immerhin muss man für eine solche Geschichte nicht nur die Handlung erfinden, sondern die Kulissen gleich mit, das heißt, man erschafft eine ganz neue Welt. Dort soll es vielleicht Dinge geben, mit denen wir in unserem Alltag nicht vertraut sind, zum Beispiel Magie. In vielen Geschichten, man denke nur an die Märchen, ist das kein Problem. Da kann man einen Frosch gegen die Wand werfen und bekommt dadurch einen Prinzen. Doch auch Märchen müssen – Achtung, wichtiges Wort – eine innere Logik besitzen, das heißt, es kann dort kein Naturwissenschaftler auftauchen, der die Verwandlung von Frosch zu Prinz nach physikalischen und biologischen Regeln erklärt. Wenn du jedoch eine Welt erschaffen willst, die so real daherkommen soll wie die unsere, dann musst du durchaus eine solche Erklärung liefern können. Und wenn das nicht möglich ist (Magie ist in der realen Welt keine Option), darf der Frosch sich nicht verwandeln, sondern muss zumindest schwer verletzt zu Boden fallen.

Lass mich das an einem weiteren Beispiel verdeutlichen. Stell dir vor, du möchtest eine Welt erschaffen, in der Menschen fliegen können. Zuerst mal taucht dabei die Frage auf, wie man ihnen biologisch Flügel gibt. Dazu muss man wissen, dass der Bauplan bei vielen Lebewesen auf der Erde (ausgenommen Fische, Insekten und ein paar andere) vier Gliedmaßen vorsieht, bei einigen nur am Skelett zu erkennen, bei den meisten aber deutlich sichtbar. Menschen besitzen also Arme mit Händen sowie Beine, jedoch keine Flügel. Vögel dagegen haben Flügel und Beine, aber keine Arme. Wie also bekommen Menschen ihre Flügel, ohne gleichzeitig ihre Arme mit den Händen zu verlieren? Richtig, eine Möglichkeit dafür wäre die Gentechnik, was in Geschichten sogar klappen kann, besonders, wenn man voraussetzt, dass sehr fortschrittliche Gentechniker am Werk waren. Doch sobald die Menschen ihre Flügel haben, stellt sich sofort die nächste Frage: Können sie damit tatsächlich fliegen? Kurz gesagt: nicht unter den gegenwärtigen Bedingungen.

Ab hier kommt jetzt Physik ins Spiel (wie gesagt, ein Autor, der so eine Welt erschaffen möchte, muss wissenschaftlich denken). Vogelflug ist nämlich ein Zusammenspiel von Gewicht (abhängig von der Schwerkraft deiner Welt), Muskelkraft und der Luftdichte. Das heißt, das Gewicht eines Menschen, der bereits ziemlich groß und schwer ist, würde mit Flügeln und den nötigen Muskeln, um diese zu bewegen, sogar noch zunehmen. Es gibt eine Maximalgröße, ab der der notwendige Muskelaufbau nicht mehr die Leistung erbringt, um das zusätzliche Gewicht in die Luft zu bringen. Der größte flugfähige Vogel unter den Bedingungen der Erde (Schwerkraft und Luftdichte) ist die afrikanische Riesentrappe mit einem Maximalgewicht von 19 Kilo und einer Größe von etwa einem Meter. Alle größeren Vögel wie Strauße oder Emus können sich nicht in die Luft erheben.

Vielleicht würde das Fliegen gelingen, wenn ich die Schwerkraft meiner Welt verringere und gleichzeitig die Luft dichter mache, wirst du jetzt denken. Aber auch da muss ich dich enttäuschen, tut mir leid. Grund ist, dass Schwerkraft und Luftdichte aneinandergebunden sind, weil die Schwerkraft die Luft an der Planetenoberfläche hält. Wenn sie abnimmt, würde die Luft in den Weltraum ausgasen und dadurch dünner werden. Die einzige Lösung wäre also, Menschen mit Flügeln gleichzeitig auch kleiner als einen Meter zu machen. Was gentechnisch natürlich möglich ist, erst recht, wenn man ihnen auf diese Weise sogar ein drittes Paar Gliedmaßen geben konnte. Erst mit einer Größe von 50 bis 70 Zentimetern haben fliegende Lebewesen einen realen Hintergrund, egal, ob Menschen oder andere, die du dir ausdenkst. Allerdings beeinflusst das dann die Handlung, denn solch kleine Wesen nehmen die Welt ganz anders wahr als wir.

Du siehst also, es kann sehr frustrierend, aber auch sehr spannend sein, alle Zusammenhänge durch die W-Fragen zu entschlüsseln. Und jetzt verstehst du vielleicht auch, warum fliegende Drachen alle in den Bereich von Märchen gehören.

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Der Fühlweber
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